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Barfuß über eine Wiese laufen, unbeschwert schwimmen oder mit ihrem Partner Marcus tanzen – für die 30-jährige Michelle Gennat waren diese alltäglichen Dinge lange Zeit nur ein Traum. Denn ihr linkes Bein ist deutlich kürzer als ihr rechtes. Doch jetzt kann dieser Traum endlich Wirklichkeit werden. Möglich macht das eine hochspezialisierte Operation, durchgeführt vom Kinderorthopäden Faik Afifi am Christlichen Klinikum Soest.
Bei Michelle begann alles mit einer Wachstumsstörung im Jugendalter, durch die ihr linkes Bein kürzer blieb als das rechte. „Als Teenager habe ich das kaum bemerkt. Irgendwann brauchte ich Einlegesohlen. Später halfen diese dann auch nicht mehr“, erinnert sich die Dortmunderin. Mit jedem Jahr wurde der Unterschied größer. Schließlich konnte sie nur noch mit einem orthopädischen Schuh laufen. Hinzu kamen immer stärkere Rückenschmerzen, verursacht durch die dauerhafte Fehlhaltung.
Linkes Bein 3,5 Zentimeter kürzer als das rechte
Lange versuchte Michelle, mit den Einschränkungen zu leben. Doch als Schmerzen und Bewegungsprobleme schließlich zu groß wurden, suchte sie ärztliche Hilfe. Eine Röntgenaufnahme brachte Gewissheit: Das linke Bein war inzwischen 3,5 Zentimeter kürzer als das rechte. „Der Orthopäde empfahl eine Operation. Zunächst habe ich mich in Dortmund erkundigt. Dann erfuhr ich, dass dieser Eingriff auch in Soest möglich ist“, erzählt die 30-Jährige.
Der Grund dafür ist Faik Afifi, der im Oktober 2025 ans CKS gekommen ist und das Leistungsspektrum um die Kinderorthopädie ergänzt hat. Der Sektionsleiter verfügt als einer von wenigen Operateuren in Deutschland über langjährige Erfahrung mit derartigen Eingriffen und hat sie bereits mehrfach durchgeführt. Da es sich um eine Erkrankung handelt, die in jungen Jahren entsteht, wird sie auch bei Erwachsenen von Kinderorthopäden durchgeführt.
Eigentliche Therapie beginnt erst nach der OP
Das Verfahren ist ebenso anspruchsvoll wie außergewöhnlich. Während der Operation wird der Knochen des verkürzten Beines gezielt durchtrennt und mit einem speziellen äußeren Fixateur stabilisiert. „Die eigentliche Therapie beginnt – anders als bei vielen anderen Operationen – erst nach dem Eingriff“, erklärt Afifi. Der Fixateur sorgt dafür, dass zwischen den beiden Knochenenden ein kleiner Abstand entsteht. Dieser wird während des Heilungsprozesses regelmäßig angepasst.
„Den Rest macht der Körper“, sagt Afifi. Im neu entstehenden Zwischenraum bildet sich kontinuierlich neuer Knochen, sodass das Bein Stück für Stück verlängert wird. Gleichzeitig wird auch die bestehende Varus-Fehlstellung – eine Achsabweichung des Beines – korrigiert.
Individuell angefertigte Schale verhindert Fehlstellung
Um den Heilungsprozess optimal zu unterstützen, arbeitet das CKS bei der Behandlung von Michelle eng mit einem Soester Sanitätshaus zusammen. Dessen Orthopädietechniker fertigten eine individuell angepasste Schale, die Michelles Fuß insbesondere nachts in einem 90-Grad-Winkel hält und so einem sogenannten Spitzfuß vorbeugt.
Bislang verläuft die Therapie planmäßig. Nach neun Tagen konnte Michelle das Klinikum verlassen, mit Hilfe von Gehstützen laufen und das operierte Bein vorsichtig belasten. „Alle zwei Wochen wird der Fixateur ambulant nachjustiert, um die Verlängerung schrittweise fortzuführen. Ist der neue Knochen vollständig verheilt, wird der Fixateur in einer weiteren Operation wieder entfernt“, erläutert Afifi den weiteren Prozess. Und dann wird Michelle das tun können, worauf sie so lange verzichten musste: barfuß laufen, schwimmen – und endlich mit ihrem Partner Marcus tanzen.